Welche Stimmungen gibt es, worin unterscheiden sie sich und für welche sollte ich mich entscheiden?
Es gibt unzählige Stimmungen, und bei der Wahl einer Handpan kann dies überwältigend und verwirrend sein. Eine beruhigende Nachricht: Es gibt kein richtig oder falsch! Denn Handpans werden so gestimmt, dass die jeweiligen Töne harmonisch zusammenklingen. Die verschiedenen Stimmungen sind nicht einfacher oder schwerer zu erlernen, oder haben eindeutige Vor- und Nachteile: Jeder Handpan-Spieler mag bestimmte Zusammenklänge mehr als andere und hat dafür eine individuelle Begründung! Hier sind ein paar Tipps und Infos, die euch hoffentlich weiterhelfen, aber die Entscheidung ist euch überlassen:
Wollt ihr zusammen musizieren, z.B. ein Klavier-Handpan-Duett? Dann ist darauf zu achten, nach welchem Kammerton gestimmt wird. Da der überwiegende Großteil aller Instrumente, und vor allem Orchester-Instrumente, sich am Kammerton 440 Hz orientiert, macht es für solche Gelegenheiten Sinn, sich eine Handpan mit einer 440-Hertz-Stimmung anzulegen – Gitarren z.B. lassen sich aber auch auf 432 Hz umstimmen. Was „besser“ ist, ist den eigenen Präferenzen überlassen. Oft wird eine 432-Hertz-Stimmung als entspannend angesehen, während die 440-Stimmung als simpel und minimalistisch gilt. Der Unterschied zwischen beiden Frequenzen ist zwar gering, aber hörbar. Hier ist die Wahrnehmung sehr subjektiv und Ihr solltet Euch beides einmal angehört haben.
Auch die Tonarten unterscheiden sich stark: die aus der klassischen Musik Mitteleuropas bekannten Skalen sind Dur und Moll; die eine klingt hoffnungsvoll und die andere melancholisch oder geheimnisvoll. Aber diese haben auch Unterarten, und dazu gibt es noch exotische Skalen die ein ganz anderes Klangerlebnis liefern! Hier die Bekanntesten:
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- Kurd, (Low) Pygmy, Aeolian/äolisch/Melodic Minor – klingen etwas melancholisch, erfüllend, inspirierend
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- Amara/Celtic Minor, Sabye, Equinox – klingen glücklich, voller Hoffnung
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- La Sirena, (Romanian) Hijaz/phrygisch – exotisch + mysteriös
Hier einige Beispiele von Tonleitern und deren allgemeiner Aufbau (wie viele Halbtonschritte jeweils in den Intervallen zwischen den Tönen enthalten sind). Da es hier stark musiktheoretisch wird, können wir nicht das ganze Konzept von Intervallen erklären, aber wichtig zu wissen ist nur, dass charakteristisch für eine Tonleiter vor allem die Abstände zwischen den Tönen sind. C Kurd erinnert also an D Kurd, aber jeder Ton ist um zwei Halbtonschritte tiefer. Die Abstände zwischen den Tönen bleiben gleich!
Hier eine Tabelle für Musiktheorie-Fans, die diese Halbtonschritte zuordnet:
Tonart |
Anzahl Halbtonschritte zwischen den Tönen |
Beispieltonleiter |
Kurd |
7, 1, 2, 2, 2, 1, 2, 2 |
Beispiel: D Kurd |
D3, A3, Bb3, C4, D4, E4, F4, G4, A4 |
Amara |
7, 3, 2, 2, 1, 2, 2, 5 |
Beispiel: C Amara |
C3, G3, Bb3, C4, D4, Eb4, F4, G4, C5 |
Hijaz |
7, 1, 3, 1, 2, 1, 3, 1 |
Beispiel: F# Romanian Hijaz |
F#3, C#4, D4, F4, F#4, G#4, A4, C5, C#5 |
Pygmy |
2, 1, 4, 3, 2, 2, 1, 4 |
Beispiel: F Low Pygmy |
F3, G3, G#3, C4, D#4, F4, G4, G#4, C5 |
Equinox |
3, 4, 1, 2, 2, 2, 1, 4 |
Beispiel: E Equinox |
E3, G3, B3, C4, D4, E4, F#4, G4, B4 |
La Sirena |
3, 4, 2, 1, 2, 2, 1, 4 |
Beispiel: F La Sirena |
F3, Ab3, C4, D4, Eb4, F4, G4, Ab4, C5 |

D-Kurd: D3/ A3, Bb3, C4, D4, E4, F4, G4, A4
D Amara: D3/ A3, C4, D4, E4, F4, G4, A4, C5
D-Celtic minor: D/ A C D E F G A C
D Sabye: D3, G3, A3, B3, C#4, D4, E4, F#4, A4
C# Kurd :C#3, G#3, A3, B3, C#4, D#4, E4, F#4, G#4
C# Amara: C#3, G#3, B3, C#4, D#4, E4, F#4, G#4, B4
C-minor, 432 Hz: C/ G, C, D, D#, F, G, G#, C
C#-minor: C#/ G#, C#, D#, E, F#, G#, A, C#
C# Kurd (432 Hz): C#3, G#3, A3, B3, C#4, D#4, E4, F#4, G#4
C#-Annaziska, (432 Hz): C#/ G#, A, B, C#, D#, E, F#, G#
B-Celtic minor, ( 432 Hz): B/ F#, A, B, C#, D, E, F#, A, B
E-Sabye: E/ A, B, C#, D#, E, F#, G#
F# Romanian Hijaz: F#3/ C#4, D4, F4, F#4, G#4, A4, C5, C#5
F Low Pygmy: F3, G3, G#3, C4, D#4, F4, G4, G#4, C5
G# Kurd: G#3, D#4, E4, F#4, G#4, A#4, B4, C#5, D#5
F# Melodic Minor: F#3, B3, C#4, E4, F#4, G#4, A4, B4, C#5, E5
Das Klangerlebnis der Hijaz-Skala ist wie eine Mischung aus Dur und Moll, diese klingt dadurch etwas mystisch. Die Pygmy Skala ist sehr weit und jede Skala/Tonleiter bringt jeweils eine eigene Klangatmosphäre mit sich. Und die Klangatmosphäre eines Instruments ist schwer in Worten zu beschreiben!
Daher finden wir, dass ihr es am besten einordnen könnt, wenn ihr die verschiedenen Tonlagen ausprobiert. Eine Möglichkeit dafür ist uns im Ladengeschäft zu besuchen, wo ihr immer willkommen seid!
Können sich Handpans verstimmen? Prinzipiell ja, allerdings gilt das meist nur für „Billig“-Instrumente oder Importe minderer Qualität. Ursache können Stöße, Stürze oder harte Anschläge fester Gegenstände auf einem Tonfeld sein. Auch Stahl kann sich durch äußere Einflüsse bewegen und verändern. Insbesondere intensive Temparaturschwankungen und starke Anschläge beim Spielen sorgen auf Dauer für eine Veränderung der Molukularstruktur des Materials. Die Spannung der Tonfelder verändert sich. Je nach Hersteller und Verarbeitungsqualität bleibt die Stimmung bei hochwertigen Handpans i.d.R. aber mehrere Jahre stabil! |